Für die erste Studie wurde die Fütteraversionsskala (FAS) zur Erfassung der elterlichen Wahrnehmung der Esssituation entwickelt mit dem Ziel Fütterungsstörungen bei Frühgeborenen mit einem möglichst effizienten Fragebogen zu diagnostizieren. Das Verfahren wurde anhand einer Stichprobe von 46 Frühgeborener unterhalb 2000g Geburtsgewicht im korrigierten Alter von 9 -12 Monaten evaluiert. Die Trennschärfe der Items beträgt zwischen .20 und .64. Die interne Konsistenz beträgt r=.83 und die Split-half-Reliabilität r=.82. Bei der Berechnung der punktbiserialen Korrelation zwischen FAS und Nahrungsverweigerung als Indikator für die Validität ergab sich ein hoch signifikanter Zusammenhang r=.72. Bei einem kritischen Cut-Off Wert von >/=2 konnte die FAS alle Fälle von Nahrungsverweigerung, jedoch nicht alle Fälle von Erbrechen erfassen. Das Verfahren eignet sich daher für die Diagnostik von Nahrungsverweigerung, jedoch nicht von Erbrechen.
In der zweiten Studie wurde das Essverhalten und Fütterungsprobleme von 21 Frühgeborenen (GG: M=1462 g +/- 554) im 1., 6. und 12. korrigierten Lebensmonat mittels eines strukturierten Interviews erfasst. Schluckprobleme und Erbrechen traten im ersten Lebensmonat gehäuft zusammen auf, während im 12. Lebensmonat Würgen und Nahrungsverweigerung zusammen auftraten. Die Annahme, dass reifungsbedingte und interaktionelle Fütterungsstörungen sich im Auftretensalter unterscheiden, konnte bestätigt werden. Reifungsbedingte Fütterprobleme nehmen im Verlaufe des ersten Lebensjahrs ab und interaktionsbedingte Störungen nehmen zu. Nahrungsverweigerung ging in dieser Studie nicht in jedem Fall mit einer hohen FAS einher. Dieses ist unter Umständen auf die Durchführung als Interview zurückzuführen. Eine Beeinträchtigung der Objektivität und eine systematische Verzerrung aufgrund von sozialer Erwünschtheit kann nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollte die FAS nicht als Interview durchgeführt werden.
In der dritten Studie wurde ein interdisziplinäres Therapieverfahren zur Behandlung von frühkindlichen Fütterungsstörungen bei Frühgeborenen evaluiert. Dafür wurden 21 Frühgeborene mit Fütterungsstörungen vor und nach Therapiebeginn bzgl. des Auftretens von Nahrungsverweigerung, Erbrechen, Würgen und Verschlucken sowie mittels der FAS befragt. Verglichen wurden diese Fälle mit einer Kontrollgruppe Frühgeborener ohne Fütterungsstörung. Mittelwertsunterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe vor der Intervention waren hinsichtlich FAS, Nahrungsverweigerung und Erbrechen hoch signifikant. Nach der Intervention traten Nahrungsverweigerung, Erbrechen, Verschlucken und Würgen signifikant weniger auf, der FAS war signifikant niedriger. Zwischen der Kontrollgruppe und der Interventionsgruppe erreichten Mittelwertsunterschiede nach Interventionsabschluss keine Signifikanz.
Unterstützt durch die
Studienstiftung des deutschen Volkes.
© by Markus Wilken 20.03.08